CFS Forschungsübersicht

Übersicht ME/CFS Forschung

Forschungsgelder für ME/CFS waren historisch gesehen immer sehr niedrig. In den letzten Jahren, und gerade heuer scheint sich allerdings eine leichte Trendwende abzuzeichnen.

Im September letzten Jahres wurden in den USA vier neue, große Forschungskollaborationen im Umfang von $35 Millionen finanziert, die in führenden Instituten, von Spitzenforschern und Ärzten geleitet werden. Weitere Zuschüsse in Millionenhöhe wurden an andere prominente Wissenschaftler vergeben. Trotzdem sind die ME/CFS Forschungsgelder im Vergleich zu anderen Krankheiten mit einer ähnlich hohen Anzahl an Betroffenen, sehr gering. AIDS betrifft z.B. ungefähr gleich viele Menschen wie ME/CFS, die Forschungsausgaben sind aber ca. 200 Mal so hoch.

2015 wurde in den USA ein Expertenrat damit beauftragt die Evidenzlage für ME/CFS zu untersuchen. Daraus entstand ein 280 Seiten langes Dokument mit dem Titel „Beyond Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome: Redefining an Illness“. Dafür wurden mehr als 9000 Studien analysiert. Der Expertenrat kommt zu dem Schluss, dass ME/CFS eine schwere, chronische, komplexe Multisystemerkrankung ist, der oft eine Belastung des Immunsystems vorausgeht. Zusätzlich zu der Forschungsanalyse beinhaltet diese Dokument auch einen „Clinician’s guide“ und neue Diagnosekriterien.

Da die genaue Pathogenese bei ME/CFS noch unklar ist, geht es in der Forschung vor allem darum, die Krankheit besser zu verstehen und gleichzeitig nach robusten diagnostischen Markern zu suchen.
In den letzten Jahren wurden vor allem in den Bereichen Neurologie, Immunologie, Metabolismus- und Mikrobiom-Forschung einige wichtige neue Erkenntnisse gewonnen. Die folgende Auflistung beinhaltet ein paar Auszüge aus der Forschung der letzten Jahre.

Metabolismus

Einige Studien zeigen Anomalien des Energiestoffwechsels in den Zellen.

  • Metabolische Signatur gefunden: Analyse des Metaboloms zeigt signifikant verringerte Metaboliten, deutet auf einen hypometabolischen Zustand/verlangsamten Metabolismus hin (Naviaux et al., 2016, Nagy-Szakal, Lipkin et al., 2018).
  • Fehler in der zellulären Energieproduktion, u.a. eine Reduktion der Glykolyse, gestörte PDH-Funktion – inadäquate ATP-Produktion und Laktat-Überproduktion. Gesunde Zellen, die in Serum von CFS Patienten eingebracht wurden, zeigten die gleichen metabolischen Anomalien, wie die von CFS Patienten. (Fluge, Mella et al., 2016)
  • Abnormität des Energiestoffwechsel und oxidativer Stresswege (McGregor et al. 2015)

Belastung

Studien zeigen ungewöhnliche Reaktionen infolge körperlicher Belastung bei ME/CFS. (Zeitverzögerte) Verschlechterung der Symptomatik und der Fatigue nach Belastung ist das Leitsymptom dieser Erkrankung.

PACE Trial: Diese Studie wurde anfänglich als Beweis für den Erfolg einer abgestuften Bewegungstherapie und kognitiver Verhaltenstherapie (CBT) verkündet. Wissenschaftler, Ärzte und Patienten übten heftige Kritik an den verwendeten Methoden. Das Amerikanische CDC (Center for Disease Prevention) hat daraufhin die abgestufte Bewegungstherapie (GET) und CBT wieder aus ihren Behandlungsempfehlungen entfernt.

Immunologie

Die Suche nach einem viralen oder bakteriellen Krankheitsauslöser ist bis jetzt erfolglos. Allerdings gibt es bei manchen Infektionen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit an einem CFS zu erkranken (Institute of Medicine, 2015). Zahlreiche Studienergebnisse zeigen, dass bei ME/CFS Patienten eine fehlgesteuerte Immunfunktion auftritt.

Neurologie

Obwohl bei ME/CFS viele neurologische Symptome auftreten, gibt es eine eher kleine Anzahl an Studien, im Vergleich zu anderen Bereichen.

  • Einige Studien zeigen erhöhtes Laktat im Liquor von CFS Patienten. Laktat wird von Zellen bei Sauerstoffmangel produziert. Das impliziert eine schlechte Durchblutung des Gehirns (Mathew et al., 2008; 2010; 2012; 2017).
  • Neuroinflammation – Entzündung im Gehirn im PET Scan zu sehen (Nakatomi et al., 2014)
  • Gehirnveränderungen im MRT: In manchen Regionen verringertes Volumen der weißen Substanz, in anderen verringertes Volumen der grauen Substanz. Diese Veränderungen korrelieren mit den Symptomen (Shan et al., 2016). Eine andere Studie zeigte Veränderungen, die von Patienten berichtete Symptome, wie Probleme mit dem Gedächtnis oder bei der Verarbeitung visueller Reize, unterstützt (Puri et al., 2012).

Weitere Bereiche

Eine Vielzahl an Studien hat in weiteren Bereichen/Körpersystemen Auffälligkeiten gefunden. Darunter unter anderem:

Mit ME/CFS Forschungszentren an den zwei renommierten Universitäten Harvard und Stanford, zahlreichen hochkarätigen Wissenschaftlern an anderen Universitäten & Kliniken und der Open Medicine Foundation, die sich der Erforschung von CFS widmet, ist aus den USA weit mehr Fortschritt zu erwarten als aus Europa, wo hauptsächlich in Norwegen, Deutschland und England in vergleichsmäßig kleinem Umfang geforscht wird.