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Diagnose & Diagnosekriterien ME/CFS

Zurzeit gibt es noch keine einzelnen Labor- oder apparativen Untersuchungen, mit denen die Diagnose ME/CFS eindeutig gestellt werden kann. Deswegen sind eine genaue Betrachtung der Krankengeschichte, der Symptome und eine umfangreiche Ausschlussdiagnostik anderer Erkrankungen (z.B. Anämie, Tumore, Schilddrüsenstörungen, Herzerkrankungen, MS, Infektionen usw.) wichtig. Meist sind dafür mehrere Arztbesuche und Untersuchungen notwendig.

Nicht selten ist der Weg bis zur richtigen Diagnose lange und zermürbend. Leider kommt es aufgrund von fehlendem Wissen über die Krankheit oft zu Fehldiagnosen und folglich zu falschen Behandlungen, die schädigend sein können. Um das zu verhindern, sollte ein Arzt mit Erfahrung und Wissen über ME/CFS aufgesucht werden.

Für die Diagnose von ME/CFS können folgende Diagnosekriterien herangezogen werden:

Diagnosekriterien nach Institute of Medicine (IOM) 2015

1. Eine erhebliche Reduktion oder Beeinträchtigung bei der Ausübung von Beruf, Bildung, sozialen oder persönlichen Aktivitäten:

  • die mehr als 6 Monate anhält und von (oft stark ausgeprägter) Erschöpfung begleitet ist
  • die einen eindeutigen Beginn aufweist (nicht von Geburt an existiert)
  • die nicht das Resultat von fortwährender starker Belastung oder Anstrengung ist
  • die sich durch Schonung und Ausruhen nicht erheblich lindern lässt

2. Zustandsverschlechterung nach Anstrengung (Post-exertional malaise, PEM)*
3. Nicht erholsamer Schlaf*

Des Weiteren muss mindestens eine der folgenden Beschwerden vorliegen: Kognitive Beeinträchtigung oder Orthostatische Intoleranz.

*Häufigkeit und Schweregrad der Symptome sollte festgestellt werden. Die Diagnose ME/CFS (SEID) sollte hinterfragt werden, wenn Patienten, diese Symptome mindestens die Hälfte der Zeit nicht mit moderater, bedeutender oder schwerer Intensität aufweisen.

Vollständige Kriterien nach IOM (2015) und Anmerkungen können im Clinician’s Guide auf Englisch eingesehen werden.

Internationale Konsenskriterien (ICC 2011)

Hauptsymptome sind „schwere, neu aufgetretene Fatigue“ und „schnelle körperliche und/oder kognitive Erschöpfbarkeit als Reaktion auf Anstrengung (kann auch minimal sein)“. Weiters müssen laut diesem Kriterienkatalog mindestens weitere 7 Symptome vorliegen, die in folgende Gruppen unterteilt sind:

  • Neurologische Beeinträchtigungen, wie z.B. Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses, Kopf- und Muskelschmerzen, Schlafstörungen, Bewegungsstörungen.
  • Immunologische, gastrointestinale oder urogenitale Beeinträchtigungen, wie z.B. grippeähnliche Symptome, erhöhte Infektanfälligkeit, Reizdarm, Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln, Überempfindlichkeit auf Medikamente, Gerüche, Geräusche.
  • Beeinträchtigungen der Energieproduktion bzw. des Energietransports, wie z.B. Probleme beim Stehen (orthostatische Dysregulation), Atemstörungen, Unverträglichkeit gegenüber Temperaturextremen.

Die vollständigen Diagnosekriterien laut ICC sind umfangreicher und können auf Englisch (ab Seite 7) und als Auszug aus dem International Consensus Primer auf Deutsch eingesehen werden.

Weitere häufig verwendete Kriterien sind die Kanadischen Konsenskriterien (2003) und die Fukuda Kriterien (1994).

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