JAMA Publikation sagt: ME/CFS ist eine schwere, chronische, komplexe systemische Erkrankung

Kürzlich machte eine Nachricht die Runde: Die Veröffentlichung eines Artikels über ME/CFS von Dr. Komaroff mit dem Titel „Advances in Understanding the Pathophysiology of Chronic Fatigue Syndrome“ in JAMA.

Erst durch einen Beitrag von Cort Johnson auf Healthrising konnte ich die Bedeutung dieser Publikation verstehen. https://www.healthrising.org/blog/2019/07/11/jama-chronic-fatigue-syndrome-article-tony-komaroff-unifying-model/

Denn JAMA, das Flaggschiff der American Medical Association, die Berufsorganisation für Ärzte in den Vereinigten Staaten, soll die am weitesten verbreitete allgemeinmedizinische Zeitschrift der Welt sein, die sich in erster Linie an Ärzte und Medizinstudenten richtet.

Laut JAMA verzeichnet die Website fast 25 Millionen Besuche pro Jahr und hat mehr als 750.000 Follower auf Twitter und Facebook. Der Impact Factor (51,3) ist einer der höchsten im Bereich Medizin und Wissenschaft. JAMA ist wahrscheinlich die meistgelesene englischsprachige medizinische Zeitschrift der Welt.

Die Veröffentlichung durch JAMA ist ein gutes Zeichen. Die Redaktion von JAMA unterstützt dadurch Komaroffs Botschaft, nämlich dass ME/CFS eine echte Krankheit ist und dass Ärzte und Medizinstudenten sich damit befassen sollten. Und diese Botschaft wird offensichtlich mit großem Interesse aufgenommen: Der Beitrag wurde innerhalb kürzester Zeit einer der am meisten aufgerufenen Artikel dieses Jahres. Tausende von Ärzten und Medizinstudenten erhalten dadurch eine neue Sicht auf ME/CFS.

Komaroff gilt als ein konservativer Forscher, der sich seit Jahrzehnten mit ME/CFS befasst. Seine Zurückhaltung hat aber vielleicht dazu beigetragen, dass er als einer der wenigen in JAMA über ME/CFS publizieren konnte.

Komaroffs Artikel ist nicht lang, aber wirkungsvoll. Er bezieht sich vorerst auf den Bericht des Institute of Medicine über ME/CFS 2015, der von einer Institution erstellt wurde, die Ärzte und Medizinstudenten kennen, schätzen und der sie vermutlich vertrauen.

Komaroff führt an, dass ME/CFS eine schwere, chronische, komplexe systemische Erkrankung ist, von der in den USA geschätzte 2,5 Millionen Menschen betroffen sind und die jährlich zwischen 17 und 24 Milliarden US-Dollar wirtschaftliche Verluste verursacht.

Weiters führt er eine Reihe der wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse über ME/CFS an, in Hinsicht auf das autonome und zentrale Nervensystem, Stoffwechsel-, Immun-, Hormon- und Belastungsbefunde. Er geht auf die Belastungsintoleranz ein, die Unfähigkeit von ME/CFS Patienten, die Energieproduktion am zweiten Tag eines zweitägigen Belastungstests zu wiederholen.

Letztlich, und das ist das vielleicht Ungewöhnlichste, geht er auf zwei der derzeit interessantesten umfassenden Theorien zu ME/CFS ein:

1. Die Hypothese von Naviaux, der vermutet, dass ME/CFS-Patienten möglicherweise in einem Winterschlaf-ähnlichen metabolischen Zustand festsitzen. Diese Theorie wird unter dem Stichwort “metabolic trap” diskutiert.

2. Die zweite Hypothese befasst mit sich Neuroinflammation, die durch unterschiedliche Trigger ausgelöst werden kann: eine Herpesvirus-Infektion im Gehirn, Autoimmunität, Neurotoxine, eine durchbrochene Blut-Hirn-Schranke, eine Entzündung in der Peripherie, ein eingeklemmter Vagusnerv, eine Darmentzündung und/oder chronischer Stress. Stark vereinfacht formuliert, vermittelt diese Entzündung im Gehirn dem Körper, “abzuschalten”.

Wir können nur hoffen, dass auch die einschlägigen deutschsprachigen Publikationen wie die österreichische und deutsche Ärztezeitung diesen Artikel und seine Inhalte aufgreifen.

JAMA: Komaroff AL. Advances in Understanding the Pathophysiology of Chronic Fatigue Syndrome. JAMA. Published online July 05, 2019. doi:10.1001/jama.2019.8312

Ein Gedanke zu „JAMA Publikation sagt: ME/CFS ist eine schwere, chronische, komplexe systemische Erkrankung“

Kommentare sind geschlossen.